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Bullenmast

Düsser Tretmiststall bewährt sich

Düsser Bullenmaststall 1999 wurde ein neuer Maststall als Ersatz für einen abgängigen Stall mit Vollspalten gebaut. Die Entscheidung für eine Variante des Tretmistsystems begründete sich in der zunehmenden Nachfrage und dem damit steigenden Beratungsbedarf für kostengünstige Haltungssysteme mit Stroh-einstreu. Gleichzeitig gilt das weniger arbeitsaufwendige Verfahren der Mast auf Vollspalten als ausgereift, wird aber im Rahmen verschiedener Produktionsprogramme nicht akzeptiert.

Stallsystem

Die Stallgröße für eine Lehrwerkstatt war mit 50 Mastplätzen vorgegeben. Bei dieser Größenordnung kam lediglich eine Haltungsvariante in Frage und die Entscheidung fiel zu Gunsten des sogenannten "umgekehrten Tretmiststalles", der in unserer Region weniger als in Süddeutschland bekannt ist. Der Unterschied gegenüber dem herkömmlichen Tretmistverfahren liegt vor allem in der Anordnung der mit Gefälle ausgeführten Liegefläche, die mit dem höchsten Punkt direkt am Trog beginnt (s. Querschnitt). Der Mist fließt also vom Futtertisch weg entweder unter der Stallwand hindurch nach draußen - dann ist eine befestigter Streifen mit Schmutzwasseranschluss erforderlich - oder wie in unserem Fall zu einem Mistgang, der aber nicht wie beim herkömmlichen Tretmist laufend geräumt wird, sondern als Liegefläche mitgenutzt und nur alle 2-3 Wochen geräumt wird. Schmutzwasser fällt bei dieser Lösung nicht an.

Querschnitt des neuen Bullenstalles auf Haus Düsse
Querschnitt durch den Bullenstall

Das Gefälle der Schräge wurde mit 5% ausgeführt, damit der Mistfluss auch bei leichteren Tieren funktioniert. Bei der Aufstallung von Jungbullen mit Gewichten über 250 kg genügt ein Gefälle von 2%. Die schräge Fläche hat im Düsser Stall eine Tiefe von 4 m und sollte für dieses System 5 m nicht überschreiten, weil das Tier- Fressplatzverhältnis zunehmend ungünstiger und das Überstreuen des rückwärtigen Mistganges schwieriger wird. Bei der Buchtentiefe von 7 m und einer Breite von 5 m haben 10 Bullen in der Endmast ein ausreichendes Platzangebot von 3,5 m².

Entlang der Rückseite des Stalles verläuft ein Treibgang, der zur Waage im Vorraum und zu der im Anschluss installierten Sammel- und Verladebucht führt. Diese zusätzliche Einrichtung ist für Unterrichtszwecke erforderlich und zur Produktionskontrolle von großem Vorteil. Die Buchtenbreite wurde mit 5 m einheitlich ausgeführt Für größere Anlagen dieser Stallform empfiehlt es sich, unter dem Aspekt einer effektiven Platznutzung, in der Längsachse des Stalles drei Buchtenbreiten einzurichten, damit die einzelnen Tiergruppen von der Anfangs- bis zur Endmast ohne Umgruppierungen zusammenbleiben können. Während des Ausmistens müssen die Bullen vom Mistgang weg auf die Schrägfläche gesperrt werden. Da die Breite des Mistganges kleiner als die Buchtenbreite ist, werden dafür zusätzliche Absperrgitter benötigt. In Ställen ohne Treibgang wird das Ein- und Ausstallen der Bullen über den Mistgang erledigt. Die Trenn- und Schwenkgitter sowie die Nackenriegel haben Standardabmessungen in Meterschritten , die beim Einbau den exakten Abständen angepasst werden.

Die Wasserversorgung im Stall erfolgt über eine frei verlegte und isolierte Ringleitung, in die zur Frostsicherung ein Heizgerät integriert ist, welches im Nebengebäude untergebracht ist. Die Tränkebecken mit Rohrventil sind zwischen den Buchtenabtrennungen am Fressplatz montiert, damit sie jederzeit im Auge gehalten werden.

Stallhülle

Der Stall wurde bei dieser geringen Größenordnung einachsig ausgeführt und konnte dadurch nach Süden offen bleiben. Die Art der selbstverständlich ungedämmten Stallhülle für dieses Haltungssystem ist völlig zweitrangig und sollte von den örtlichen Baukosten und Verhältnissen abhängig gemacht werden.. Für Haus Düsse erhielt als günstigstes Angebot eine Holz-Fertighalle den Zuschlag. Sie besteht aus Leimholzbindern auf Stahl-Innenstützen und 55 mm starken Vollholzwänden auf einem Betonsockel. Das Dach wurde mit Faserzementplatten eingedeckt. Unter der Traufe der geschlossenen Seite ist eine 80 cm hohe Fläche mit Spacebord eingerichtet.

Baukosten

Bei den derzeitigen Rahmenbedingungen für die Bullenmast sind Neubauten nur dann wirtschaftlich vertretbar, wenn mit sehr geringen Kosten gebaut wird, die möglichst unter 1000 € je Mastplatz bleiben. Die Schwierigkeiten des Baukostenvergleichs liegen häufig in der unterschiedlichen Bewertung und der ungenauen Erfassung der Eigenleistung. Bei der Planung von Neubauten geht es häufig zunächst um die Wahl eines Stallsystems mit Stroh oder strohlos auf Gülle. Vergleichsrechnungen für komplette Neuanlagen, also mit Güllaleger bzw. mit Strohlager, Mistplatte und Schmutzwasserbehälter, zeigen, dass zwischen den beiden Systemen keine großen Kostenunterschiede liegen. In vielen Betrieben bestehen jedoch in vorhandenen Einrichtungen ausreichend Möglichkeiten, Festmist und Stroh zu lagern. In solchen Fällen können mit eingestreuten Ställen auch unter dem Aspekt, dass diese "eigenleistungsfreundlicher" sind, deutliche Kosteneinsparungen realisiert werden.

Der Düsser Maststall wurde komplett mit Firmenleistungen errichtet. Bereinigt man die Baukosten um den Mehraufwand für den Treibgang, die einseitige Aufstallung und die Brandschutzwand zum Nachbargebäude und berücksichtigt eine Kostendegression für eine höhere Anzahl von Mastplätzen, dann konnte 1999 ein solcher Stall in Fremdleistung für ca. 1250 € je Platz gebaut werden. Weitere Einsparungen sind über Eigenleistungen möglich.

Bewirtschaftung

Für die systemgerechte Bewirtschaftung ist es erforderlich, die gesamte Buchtenfläche täglich mit zerkleinertem Stroh zu überstreuen. Das ist ein grundsätzlicher Unterschied zum klassischen Tretmistsystem, bei dem das Stroh möglichst an der höchsten Stelle eingebracht wird. Das Einstreuen geschieht mit dem Futtermischwagen, der mit einem Strohgebläse ausgerüstet ist; aber auch andere mobile Einstreugeräte mit entsprechender Reichweite kommen in Frage.

Der Strohverbrauch ist allgemein davon abhängig, welcher Anspruch an die Sauberkeit der Tiere gestellt wird. Er beträgt in unserem Fall bei gutem Stroh und täglich einmaligem Streuen ca. 3 kg je Tier und Tag. Die Belegungsdichte hat einen deutlichen Einfluss auf den Strohbedarf. Aus Praxisbetrieben mit einem Platzangebot von 4-4,2 m² je Bulle in der Endmast und einem zweimaligen Einstreuen liegen die Angaben für den Strohverbrauch bei nur knapp 2 kg. Weitere Einflussfaktoren auf den Strohbedarf liegen in der Zerkleinerungslänge, der Strohqualität und im Temperament der jeweiligen Rinderrasse.

Im Verlauf der Nutzung dieses Stall konnte die Erfahrung gemacht werden, dass das umgekehrte Tretmistsystem sich nicht für die Haltung von weiblichen Tieren jeglicher Größenordnung eignet. Weder bei wachsenden Rindern, noch bei Trockenstehern oder Mutterkühen funktionierte der Mistfluss auf der Schrägen, weil sich der Mist hinter dem Fressbereich aufbaute. Wahrscheinlich entwickeln weibliche Tiere im Vergleich zu Bullen keine ausreichende Bewegungsaktivität.

Bewertung

Das umgekehrte Tretmistsystem hat folgende Vorteile:

Als Nachteil sind anzusehen:

Ergebnisse

Die bisherigen Erfahrungen im Bereich der Tiergesundheit sind als sehr gut zu bezeichnen und es gab keine Totalverluste. Mit Ausnahme von drei Bullen erreichten alle normale Endgewichte. Im ehemaligen Maststall mit Vollspalten traten relativ häufig Fundamentprobleme auf, die zu vorzeitigen Schlachtungen zwangen. Diese Probleme waren im Tretmiststall nicht zu beobachten, obwohl bei einigen Bullen wegen des fehlenden Abriebs Klauen lang wuchsen. Die Leistungen der bisher geschlachteten Bullen sind in der Tabelle aufgeführt und denen des letzten Durchgangs auf Spal-tenboden gegenübergestellt.

Das erste Belegen des Stalles und das Einfahren des Systems erfolgte ab Juni des Jahres 1999 zunächst mit Fressern aus der eigenen Milchviehherde. Im Dezember 2000 wurden 30 Fleckviehfresser zugekauft und anschließend wieder eigene Nachzucht eingestellt. Bei den eigenen Bullen handelte es sich um "bunte" Mastgruppen, von denen 25% dem Zweinutzungstyp (Kreuzungen u. a.) und 75% dem Milchtyp zuzuordnen waren. Bisher wurden insgesamt 170 Tiere aufgestallt, von de-nen 130 geschlachtet wurden.

Bei den beiden Tiergruppen aus der eigenen Kuhherde handelte es sich um Bullen mit gleichen Anteilen von Milch- und Zweinutzungstypen. Die Fütterung mit Maissilage und je einem Kilo Sojaschrot und Getreide war ebenfalls gleich. Die Leistungsdifferenzen zwischen den beiden Haltungssystemen können nicht als allgemeingültig angesehen werden, sondern nur Tendenzen aufzeigen, weil die Ergebnisse nicht parallel, sondern zeitversetzt ermittelt wurden.

Nach dem Mastbeginn mit fast gleichem Durchschnittsgewicht zeigten die Tretmist-Bullen hohe täglichen Zunahmen von 1275 g und hatten damit eine um rund 70 g bessere Zuwachsleistung als die Bullen auf Vollspalten. Sie wurden nach einer Mastdauer von rund einem Jahr 40 kg schwerer. Bei diesem Mastendgewicht, das für überwiegend im Milchtyp stehende Bullen als hoch anzusehen ist, blieb die Verfettung der Schlachtkörper mit durchschnittlich 2,73 in der Fetteinstufung in dem angestrebten Bereich zwischen 2 und 3. Dieses Ergebnis deckt sich genau mit dem der 40 kg leichteren Spalten-Bullen. Die dargestellten Leistungsdifferenzen aus den beiden Haltungsverfahren ergeben einen Unterschied von rund 0,15 € für die Erlösdifferenz je Tag zugunsten des Tretmistverfahrens, so dass zumindest ein Teil der höheren Arbeitsaufwendungen für das Strohsystem ausgeglichen werden. In diesen Vergleich sind die Ergebnisse der zugekauften Fleckviehbullen nicht einbezogen.



Schlussfolgerungen

Der beschriebene Tretmiststall erfüllt aus betriebswirtschaftlicher Sicht zwei wesentliche Forderungen für den Bau neuer Mastställe. Erstens sind niedrige Baukosten zu realisieren und wie beim Bau von andern, einfachen Mastställen mit Stroheinstreu sind Eigenleistungen leichter einzubringen als beim Bau von Gülleställen. Zweitens werden hohe Zuwachsleistungen realisiert, die bei vergleich-barem Tiermaterial höher liegen als auf Spaltenböden. Gleichzeitig erreichen die Bullen den glei-chem Reifegrad bei höheren Endgewichten.

Diese Form eines Tretmiststalles ist mit einem vergleichsweise geringen Mechanisierungsgrad funktionsfähig. Er verlangt eine konsequente Bewirtschaftung in Form der täglichen Stroheinstreu, um den Strohverbrauch zu minimieren. Die Entmistung des Stalles kann hingegen zeitlich flexibler erledigt werden.

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